Mehr Jugendliche für die Lehre begeistern

Bildung, Lehrlinge, News, Wirtschaftsstandort

Bei den Berufsweltmeisterschaften World-Skills 2015 in São Paulo werden mehr als 1000 Jungfachkräfte aus allen Kontinenten gegeneinander antreten. Es geht um begehrte Medaillen in fast 50 verschiedenen Berufen. Auch aus Österreich werden dutzende Kandidaten an den Start gehen und zeigen, welche Talente die duale Berufsausbildung in Österreich hervorbringt. Für uns ist dies die große Chance, mit Fachkompetenz zu punkten und zu zeigen, dass wir auch als kleines Land zu Spitzenleistungen fähig sind. Wie positiv sich die duale Berufsausbildung auf das Fachkräfteangebot und die Lebensperspektiven junger Menschen auswirkt, wird innerhalb der EU zunehmend zum Thema. Insbesondere wegen der dramatischen Jugendarbeitslosigkeit, unter der die meisten EU-Länder leiden.

Bestens ausgebildete Fachkräfte sind in der Wirtschaft immer gefragt

In Österreich und Deutschland ist die Situation anders. Beide Länder haben ein duales Ausbildungssystem und eine hohe Jugendbeschäftigung. Wir bilden unsere Fachkräfte direkt in den Betrieben und gleichzeitig in den Berufsschulen aus, haben hervorragende Ausbildner in den Unternehmen und setzen alles daran, dass unsere Jugendlichen ein starkes Fundament erhalten, auf dem sich ein erfolgreiches Berufsleben aufbauen lässt. Denn bestens ausgebildete Fachkräfte sind in der Wirtschaft immer gefragt – in konjunkturell stärkeren wie auch in schwächeren Zeiten. Daher exportieren wir mittlerweile unsere Erfahrungen mit der dualen Ausbildung und unterstützen unsere Partner in der EU, die sich für das Erfolgsmodell Lehre interessieren und es umsetzen wollen. Aktuelles Beispiel ist die Slowakei, wo die Wirtschaftskammer die slowakische Regierung bei der Wiedereinführung einer dualen Berufsausbildung unterstützt. Auch mit Rumänien gibt es eine ähnliche Initiative. Und selbst große Länder wie Frankreich, Spanien oder das neue Mitgliedsland Kroatien finden großen Gefallen am Weg Österreichs und Deutschlands.

Hoher Wert einer Lehrausbildung

Diese Entwicklung zeigt, wie richtig wir mit unserer dualen Ausbildung liegen. Es ist daher wichtig, die Lehre attraktiv zu halten und die österreichische Bevölkerung wieder und wieder an den hohen Wert einer Lehrausbildung zu erinnern. Denn aufgrund rückläufiger Geburtenzahlen muss sich ein größerer Anteil an Jugendlichen als bisher für die Lehre entscheiden, um dem Bedarf der Unternehmen abzudecken. Derzeit machen in Wien nur noch rund 30 Prozent der Jugendlichen eines Jahrgangs eine Lehre. Für einen zukunftsorientierten Wirtschafts- und Arbeitsstandort ist das zu wenig.

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 9, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/

 

Jugend hat mit Lehre Perspektiven

Bildung, Lehrlinge, News, Pressekommentar

Die Zukunftsaussichten für eine glänzende Karriere mit erfolgreichem Lehrabschluss sind nach wie vor sehr gut, denn die Wirtschaft braucht hervorragend ausgebildete junge Fachkräfte. Der Bedarf an Spezialisten – vor allem in technischen Berufen – wird in Zukunft noch weiter steigen, wie eine aktuelle Umfrage unter den Unternehmen zeigt. Zusätzlich haben die Lehrlinge die Möglichkeit, Lehre mit Matura zu verbinden und damit ihr Know-how und ihre Fähigkeiten weiter auszubauen. Anfang des Jahres waren in Wien bereits 1.800 Jugendliche auf dem Weg zur Lehre mit Matura. Die duale Ausbildung bietet gute Karrieremöglichkeiten, zumal die meisten Unternehmen ihre Lehrlinge nach dem Lehrabschluss übernehmen. So sind neun von zehn der Lehrabsolventen ein Jahr nach Lehrabschluss in Beschäftigung. Auch die Tatsache, dass in knapp der Hälfte der Wiener Unternehmen ehemalige Lehrlinge in Führungspositionen beschäftigt sind, bestätigt die ausgezeichneten Möglichkeiten mit einer fundierten dualen Ausbildung. Zusätzlich soll es in den kommenden Jahren einen Anstieg an Ausbildungsplätzen geben. So plant ein Viertel der Wiener Lehrbetriebe künftig mehr Lehrlinge zu beschäftigen als derzeit. Und damit übernehmen die Betriebe auch künftig Verantwortung und sichern die Fachkräfteausbildung in Wien.

(Kommentar “Kronen Zeitung”, Mittwoch 30. Oktober 2013)

 

Sofortprogramm für Risikoschüler

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Seit vergangener Woche liegen die Ergebnisse des Wiener Lesetests 2013 vor. Ein Grund zur Freude sind sie nicht – vor allem nicht für die Wirtschaft. Denn mehr als jeder fünfte Wiener Schüler der achten Schulstufe kann nicht sinnerfassend lesen, weitere 40 Prozent schneiden nur mittelmäßig ab. Diese neueste Bestandsaufnahme unterstreicht einmal mehr, dass die Kritik der Wiener Lehrbetriebe am Bildungsniveau der Lehrstellenbewerber mehr als berechtigt ist. Auch beim Rechnen und Schreiben fehlen den Pflichtschulabsolventen oft grundlegende Fertigkeiten. Änderungen im Schulsystem sind daher unumgänglich. Schule muss sicherstellen, dass alle Schüler in die Lage sind, den Anforderungen eines Berufslebens zu entsprechen – nicht nur einige.

Kostenlose Förderung in Sommerferien
Nur so haben sie eine Chance, im Leben bestehen zu können und einen erfolgreichen Berufsweg zu beschreiten. Damit es für die als Risikoschüler identifizierten Mädchen und Burschen nicht zu spät ist, habe ich ein Sofortprogramm durch kostenlose Förderung in den Sommerferien vorgeschlagen. Damit kann sichergestellt werden, dass jene Jugendliche, die mit einer Lehrausbildung beginnen oder sich im kommenden Frühjahr um eine Lehrstelle bewerben, einen guten Start haben. Es ist erfreulich, dass ein solcher Vorschlag auch seitens der Präsidentin des Stadtschulrates kommt, laut dem in den Wiener Schulen ein kostenloser Förderunterricht stattfinden soll. Das seitens der Wirtschaftskammer Wien entwickelte Förderprogramm basiert auf einer Kooperation mit Studenten der Pädagogischen Hochschule, die wir in den Ferien für ein Sozialprojekt gewinnen möchten.

Mindestbildungsstandards ausschlaggebend
Dass eine spezielle Förderung von leistungsschwachen Schülern unglaublich viel bewirken kann, beweist der Lesetest selbst. 2800 Risikoschüler des vergangenen Jahres haben eine Zusatzförderung erhalten und sich entscheidend verbessern können. Auf dieser positiven Erfahrung aufbauend, müssen vergleichbare Aktivitäten auch in den anderen Fächern umgesetzt werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass Schülern nach Absolvierung der Pflichtschuljahre grundlegende Fertigkeiten fehlen. Es muss das Erreichen von Mindestbildungsstandards ausschlaggebend dafür sein, ob ein Schüler seine Schulpflicht erfüllt hat, und nicht der Zeitablauf.

Der Jugend echte Chancen geben

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Zurzeit werden in rund 4000 Wiener Lehrbetrieben 19.000 Lehrlinge ausgebildet, eine Zahl, die dank des Einsatzes der Betriebe trotz schwierig werdender Rahmenbedingungen auf hohem Niveau stabil ist. Denn der Fachkräftebedarf der Unternehmen ist groß und jeder einzelne der 19.000 Lehrlinge wird dringend gebraucht. Die Rahmenbedingungen, denen sich Lehrbetriebe bei der Ausbildung der Jugendlichen ausgesetzt sehen, sind vor allem für die Mittelstandsbetriebe zunehmend herausfordernd. Nicht einmal mehr jeder dritte Wiener Jugendliche entscheidet sich heute für diesen Ausbildungsweg – zu wenige, um alle offenen Lehrstellen mit ausreichend qualifizierten Jugendlichen besetzen zu können. Die Mehrzahl verbleibt im Schulsystem – in der Hoffnung, dort richtig aufgehoben zu sein. Eine Hoffnung, die sich nicht immer erfüllt. Vergleicht man die Chancen am Arbeitsmarkt, ergibt sich ganz eindeutig ein Vorteil zugunsten der dualen Ausbildung. Tatsächlich finden mehr als 90 Prozent aller Lehrabsolventen binnen Jahresfrist einen Arbeitsplatz, während es nur 60 Prozent der AHS-Absolventen im selben Zeitraum schaffen. Die Lehre bietet also beste Berufsaussichten und leidet dennoch unter dem Stigma, eine „Restausbildung” für jene zu sein, die für die Schule ungeeignet wären.

Änderungen sind möglich

An dieser für die langfristige Absicherung des Fachkräfteangebots in Wien schwierigen Problematik wird von vielen Unternehmen und der Wirtschaftskammer daher seit vielen Jahren zu Recht Kritik geübt. Auch daran, dass Pflichtschulabsolventen vielfach gravierende Defizite aufweisen und deshalb für die Anforderungen der Betriebe nicht ausreichend geeignet sind. Doch Änderungen sind möglich, um diese Situation binnen weniger Jahre entscheidend zu verbessern. Beispielsweise bei der Gleichstellung der Ausbildungskosten, weil für eine Baumeisterprüfung rund 12.000 Euro aufzuwenden sind, während ein langjähriges Studium von der Allgemeinheit finanziert wird. Änderungen sind auch bei der Berufsinformation in den Pflichtschulen notwendig, die wesentlich umfassender und unter Einbeziehung der Eltern passieren muss. Zu verbessern sind natürlich auch die Frühwarnsysteme der Schulen, um Sprach- oder Leistungsdefizite und auch soziale Kompetenzmängel frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. All das würde dazu führen, dass der Jugend echte Chancen gegeben werden. Bleibt zu hoffen, dass ein von den Sozialpartnern entwickeltes Programm bei der Regierung auf offene Bereitschaft zur raschen Umsetzung stößt.

Die Zahl der Lehrlinge geht weiter nach oben

Lehrlinge, Pressekommentar

Erfreuliche Nachrichten erreichen uns in diesen Tagen vom Wiener Lehrstellenmarkt. Mit knapp 17.000 Jugendlichen ist die Zahl der Wiener Lehrlinge gegenüber dem Vergleichsstichtag des Vorjahres weiter gewachsen, ganz besonders stark im ersten Lehrjahr. Zugleich erreicht die Zahl der offenen Lehrstellen mit knapp 2000 einen neuen Höchstwert. Die rechnerische Lücke zu den Lehrstellensuchenden ist dagegen verschwindend gering. Damit ist klar: Wiens Betriebe arbeiten mit aller Kraft für bestens ausgebildete Fachkräfte und damit für eine sichere Zukunft unserer Wirtschaft.

Lehre ist anspruchsvolle Ausbildung
Dafür gebührt den tausenden Wiener Ausbilderbetrieben ganz besondere Anerkennung. Denn das Engagement in die Ausbildung unserer Jugendlichen – und damit in die dringend benötigten Fachkräfte der Zukunft – ist keine Selbstverständlichkeit und erfordert von den Unternehmern höchsten persönlichen Einsatz. Und das trotz teilweise ungünstiger Rahmenbedingungen. So stehen oftmals gerade kleinere und mittlere Betriebe mit größeren und bekannteren Unternehmen im Wettstreit um die besten Kandidaten. Zusätzlich hat die Lehre als fundierte Ausbildung in unserer Gesellschaft an Reputation eingebüßt und muss stets um Anerkennung ringen. Viele junge Menschen kämpfen sich lieber mehr schlecht als recht durch die Schule, als dass sie einen der mehr als 200 verschiedenen Lehrberufe ergreifen. Es muss daher in der Öffentlichkeit das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass die Lehre eine anspruchsvolle Ausbildung ist, die der schulischen in nichts nachsteht und hervorragende Zukunftsaussichten und gute Verdienstmöglichkeiten bietet.

Duales System von besonderer Bedeutung
Die Wiener Wirtschaftstreibenden selbst sind sich dieses Umstandes voll bewusst und investieren 270 Millionen Euro pro Jahr in die Ausbildung der jungen Menschen. Das duale System, um das uns viele Länder beneiden, und damit die Verfügbarkeit hochqualifizierter Fachkräfte sind gerade für ein kleines Land wie Österreich im heimischen wie im globalen Wettbewerb von besonderer Bedeutung. Damit die Lehre sich aber auch in Zukunft als Erfolgsmodell bewährt, muss auch ihr Umfeld weiterentwickelt werden – etwa durch mehr Durchlässigkeit zwischen den unterschiedlichen Bildungswegen, eine Reform der neunten Schulstufe oder die Einführung eines Bachelor Professional