Mehr Jugendliche für die Lehre begeistern

Bildung, Lehrlinge, News, Wirtschaftsstandort

Bei den Berufsweltmeisterschaften World-Skills 2015 in São Paulo werden mehr als 1000 Jungfachkräfte aus allen Kontinenten gegeneinander antreten. Es geht um begehrte Medaillen in fast 50 verschiedenen Berufen. Auch aus Österreich werden dutzende Kandidaten an den Start gehen und zeigen, welche Talente die duale Berufsausbildung in Österreich hervorbringt. Für uns ist dies die große Chance, mit Fachkompetenz zu punkten und zu zeigen, dass wir auch als kleines Land zu Spitzenleistungen fähig sind. Wie positiv sich die duale Berufsausbildung auf das Fachkräfteangebot und die Lebensperspektiven junger Menschen auswirkt, wird innerhalb der EU zunehmend zum Thema. Insbesondere wegen der dramatischen Jugendarbeitslosigkeit, unter der die meisten EU-Länder leiden.

Bestens ausgebildete Fachkräfte sind in der Wirtschaft immer gefragt

In Österreich und Deutschland ist die Situation anders. Beide Länder haben ein duales Ausbildungssystem und eine hohe Jugendbeschäftigung. Wir bilden unsere Fachkräfte direkt in den Betrieben und gleichzeitig in den Berufsschulen aus, haben hervorragende Ausbildner in den Unternehmen und setzen alles daran, dass unsere Jugendlichen ein starkes Fundament erhalten, auf dem sich ein erfolgreiches Berufsleben aufbauen lässt. Denn bestens ausgebildete Fachkräfte sind in der Wirtschaft immer gefragt – in konjunkturell stärkeren wie auch in schwächeren Zeiten. Daher exportieren wir mittlerweile unsere Erfahrungen mit der dualen Ausbildung und unterstützen unsere Partner in der EU, die sich für das Erfolgsmodell Lehre interessieren und es umsetzen wollen. Aktuelles Beispiel ist die Slowakei, wo die Wirtschaftskammer die slowakische Regierung bei der Wiedereinführung einer dualen Berufsausbildung unterstützt. Auch mit Rumänien gibt es eine ähnliche Initiative. Und selbst große Länder wie Frankreich, Spanien oder das neue Mitgliedsland Kroatien finden großen Gefallen am Weg Österreichs und Deutschlands.

Hoher Wert einer Lehrausbildung

Diese Entwicklung zeigt, wie richtig wir mit unserer dualen Ausbildung liegen. Es ist daher wichtig, die Lehre attraktiv zu halten und die österreichische Bevölkerung wieder und wieder an den hohen Wert einer Lehrausbildung zu erinnern. Denn aufgrund rückläufiger Geburtenzahlen muss sich ein größerer Anteil an Jugendlichen als bisher für die Lehre entscheiden, um dem Bedarf der Unternehmen abzudecken. Derzeit machen in Wien nur noch rund 30 Prozent der Jugendlichen eines Jahrgangs eine Lehre. Für einen zukunftsorientierten Wirtschafts- und Arbeitsstandort ist das zu wenig.

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 9, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/

 

Bildungssystem stolpert über PISA-Test

Bildung, Pressekommentar, Uncategorized, Wirtschaftsstandort

Pisa-Test

Beim jüngsten PISA-Bildungstest haben Österreichs 15-Jährige besser abgeschnitten als beim letzten Test im Jahr 2009. Eine Bestätigung dafür, dass sich auch unser Schulsystem in den vergangenen Jahren verbessert hat, ist dies allerdings nicht. Denn die Studienautoren wollen sich im Fall von Österreich ungern auf einen Vergleich mit 2009 einlassen, weil es damals in Österreich wegen des Boykott-Aufrufs einiger Schülervertreter eine negative Stimmung gegenüber Bildungserhebungen gegeben habe – und dadurch könne die Vergleichbarkeit nicht gewährleistet werden. Die OECD führt in ihrer interaktiven Statistik im Internet daher für Österreich für das Jahr 2009 lieber erst gar keine Daten an. Bleibt daher nur der Vergleich zu den beiden Testdurchgängen davor, die in den Jahren 2003 und 2006 stattgefunden haben. Und dieser Vergleich zeigt, dass Österreich in den untersuchten Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen alles andere als dazugewonnen hat. Ganz im Gegenteil – beim Lesen und in den Naturwissenschaften sind unsere Schüler punktemäßig weiter abgerutscht. In Summe erreicht jeder vierte Jugendliche in einem der drei Bereiche nicht einmal die Mindeststandards. Außerdem ist der Leistungsunterschied zwischen Mädchen und Burschen in Mathematik stark angewachsen und heute doppelt so groß wie im OECD-Schnitt. In wesentlichen Fragen der schulischen Qualifizierung unserer Jugendlichen sind wir also in Österreich auch in den letzten Jahren nicht weiter gekommen.

In den laufenden Regierungsverhandlungen muss der aktuelle PISA-Test daher als Weckruf für die Umsetzung einer Bildungsreform verstanden werden, die über das Umbenennen von Schultypen hinausgeht und beginnt, die Probleme an der Wurzel zu lösen. Die Expertise dazu ist im In- und Ausland mehr aus ausreichend vorhanden und wurde von der Wirtschaftskammer auch immer wieder in die politische Diskussion eingebracht. In unserer Jugend steckt genügend Potenzial, das es abzuholen gilt – viele Begabungen und Talente, die mit einem modernen Bildungssystem entdeckt und gefördert werden können. Nicht wegen des kommenden PISA-Tests, sondern weil sich unsere Jugend bestmögliche Chancen im Leben verdient hat, weil unsere Lehrbetriebe Stellenbewerber brauchen, die lesen, schreiben und rechnen können, und weil wir alle als Steuerzahler nur bereit sind, uns ein teures Bildungssystem zu leisten, wenn die Ernte ertragreich ist. Der große Wurf muss jetzt gelingen.

 

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 50, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/

Schulen als Wissenstankstellen

Bildung, Pressekommentar

„Einmal voll bitte!“ – Was früher auf jeder Tankstelle Wiens ein gern gehörter Satz war, könnte in den Schulen von morgen Wirklichkeit werden. Denn wissbegierig sind unsere Kinder und Jugendlichen ja, doch es sind oft nicht immer ihre Schulen der Ort, an dem sie nach Neuem suchen. Dafür kennen sie Soziale Plattformen wie ihre Westentasche, kommen bei Online- Recherchen spielend allein zurecht und holen sich auch aus traditionellen Medien und aus ihrem Freundeskreis alle Informationen, die sie brauchen. Ziel einer dringend notwendigen Bildungsreform muss daher sein, Schulen als Wissenstankstellen unserer Kinder und Jugendlichen neu aufzubauen. Denn wichtig ist, was in den Schulen passiert und nicht, was draußen über dem Eingang steht. So können Lerninhalte, die bislang eher zu kurz gekommen sind, künftig stärker verankert werden.

Auf individuelle Lerntypen eingehen

Das betrifft etwa die Abläufe im Wirtschaftsleben und den Bereich Technik und Naturwissenschaften, wo es eine große Nachfrage von Seiten der Unternehmen gibt, die nicht zufriedenstellend gestillt werden kann. Auch, dass derzeit die Nutzung neuer Medien hauptsächlich im Privatleben und in Eigeninitiative gelernt werden muss, weil sie in den Schulen zu wenig im Mittelpunkt stehen, ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Ganz wesentlich ist darüber hinaus die Frage, mit welchen Lernmethoden unterrichtet wird. Hierzu gibt es aus Ländern wie Dänemark sehr spannende Best-Practice-Beispiele, wie unser Bildungsprojekt in der WK Wien vor drei Jahren eindrucksvoll gezeigt hat und das auf die individuellen Lerntypen eingegangen ist.

Bessere Chancen für unsere Jugend

Wichtig ist auch, aus welchen  Inhalten sich Lehrpläne zusammensetzen und wie flexibel und individuell sie von den Schulen und den Lehrern laufend angepasst werden können. Nicht zuletzt wird auch zu entscheiden sein, wie sehr Schülerinnen und Schüler ihre Schulen und ihren Unterricht mitgestalten dürfen. Denn die junge Generation wächst mit Facebook, Twitter und anderen Foren auf, bei denen genau dieses Mitgestalten von ihnen erwartet wird. Und das ist gut so, denn auch im späteren Leben wird von ihnen gefordert werden, dass sie mitreden und Verantwortung übernehmen. Auch hier hat die Schule eine wichtige Rolle, um auf die Aufgaben und Mechanismen des Lebens vorzubereiten. Diese Veränderungen sind für alle Schultypen und -stufen relevant. Sie umzusetzen bedeutet, unserer Jugend bessere Chancen zu eröffnen.

 

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 46, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/

Jugend hat mit Lehre Perspektiven

Bildung, Lehrlinge, News, Pressekommentar

Die Zukunftsaussichten für eine glänzende Karriere mit erfolgreichem Lehrabschluss sind nach wie vor sehr gut, denn die Wirtschaft braucht hervorragend ausgebildete junge Fachkräfte. Der Bedarf an Spezialisten – vor allem in technischen Berufen – wird in Zukunft noch weiter steigen, wie eine aktuelle Umfrage unter den Unternehmen zeigt. Zusätzlich haben die Lehrlinge die Möglichkeit, Lehre mit Matura zu verbinden und damit ihr Know-how und ihre Fähigkeiten weiter auszubauen. Anfang des Jahres waren in Wien bereits 1.800 Jugendliche auf dem Weg zur Lehre mit Matura. Die duale Ausbildung bietet gute Karrieremöglichkeiten, zumal die meisten Unternehmen ihre Lehrlinge nach dem Lehrabschluss übernehmen. So sind neun von zehn der Lehrabsolventen ein Jahr nach Lehrabschluss in Beschäftigung. Auch die Tatsache, dass in knapp der Hälfte der Wiener Unternehmen ehemalige Lehrlinge in Führungspositionen beschäftigt sind, bestätigt die ausgezeichneten Möglichkeiten mit einer fundierten dualen Ausbildung. Zusätzlich soll es in den kommenden Jahren einen Anstieg an Ausbildungsplätzen geben. So plant ein Viertel der Wiener Lehrbetriebe künftig mehr Lehrlinge zu beschäftigen als derzeit. Und damit übernehmen die Betriebe auch künftig Verantwortung und sichern die Fachkräfteausbildung in Wien.

(Kommentar “Kronen Zeitung”, Mittwoch 30. Oktober 2013)

 

Österreich braucht mehr Wachstum

Bildung, Pressekommentar, Uncategorized

Mit der Bildung einer neuen Regierung bekommt Österreich neue Chancen. Denn mit einem klugen wirtschaftspolitischen Kurs kann unser Land in fünf Jahren besser dastehen als heute und im harten internationalen Wettbewerb an Boden gewinnen. Dazu hat die Wirtschaftskammer ein Maßnahmenpaket entwickelt, wie die nächste Regierung die großen Zukunftsthemen unseres Landes mit Weitblick angehen kann. Zu diesen Themen gehören insbesondere das österreichische Steuer- und Abgabensystem, die Konsolidierung des Staatshaushalts durch Reformen in der Verwaltung und im Pensionssystem sowie neue Wege in der Bildungspolitik.

Oberste Priorität muss die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums haben. Gelingen kann dies u.a. durch die Förderung von betrieblichen Investitionen in Form einer Investitionszuwachsprämie, den Ausbau alternativer Finanzierungsformen für Unternehmen und eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Unverzichtbar ist, das Bildungsniveau anzuheben – u.a. durch eine grundlegende Neukonstruktion des heimischen Bildungssystems mit garantierten Mindestzielen, einen stärkeren Fokus auf Technik und Naturwissenschaften und mehr Wirtschaftsnähe auch des Lehrpersonals. Hier ist rasches Handeln notwendig.

Ein Fokus muss weiters auf die Entlastung der Betriebe gelegt werden – etwa durch die Senkung der Lohnnebenkosten, die Streichung der Auflösungsabgabe, eine Vereinfachung der Lohnverrechnung, Erleichterungen bei der Unternehmensübergabe in der Familie und die Abschaffung der Gesellschaftsteuer.

Chancen zu nutzen gilt es bei der Steigerung der staatlichen Effizienz. Hier können noch viele Doppelgleisigkeiten in der Verwaltung, bei Förderungen und Transferleistungen sowie im Gesundheitswesen beseitigt werden. Sinnvoll ist auch die Überarbeitung aller wirtschaftsrelevanten Gesetze mit dem Ziel, sie einfacher und verständlicher zu machen.

Und nicht zuletzt muss es gelingen, die heimische Wirtschaft auf ihrem Internationalisierungskurs weiter zu unterstützen – beispielsweise durch den Abbau von Handelshemmnissen gegenüber Drittstaaten im Rahmen der EU, durch Erweiterungsverhandlungen mit den Westbalkanstaaten und eine Aufstockung der bisher sehr erfolgreichen Exportförderung.

 

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 40, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/

Schulbeginn bringt Wiener Wirtschaft 37 Mio. Euro Umsatz

Bildung, Pressekommentar

Aktuelle Studie: 3% mehr Umsatz als 2012 – 34% der Wiener geben heuer Geld für Papier-, Büro- und Schreibwaren zum Schul- und Studienanfang aus – Durchschnittlich werden 75 Euro ausgegeben.

Ab nächster Woche drücken die Wiener Kinder und Jugendlichen wieder die Schulbank. Die Studenten haben noch bis Anfang Oktober „Schonfrist“. Die Vorbereitungen für Schul- und Studienbeginn laufen aber bereits jetzt auf Hochtouren. „Der Schul- und Studienbeginn zählt für den Wiener Papier-, Büro- und Schreibwarenhandel mit mehr als 37 Millionen Euro zur umsatzstärksten Zeit des Jahres“, sagt Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. Laut einer Studie von „makam Market Research“ im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien geben die Wienerinnen und Wiener heuer um drei Prozent mehr aus als im Vorjahr. Die durchschnittlichen Ausgaben liegen bei 75 Euro pro Käufer, das sind um ca. neun Euro mehr als im Jahr 2012. Frauen geben wie auch im vergangenen Jahr geringfügig mehr aus als Männer. Für die Universitäten, FHs und Kollegs kaufen tendenziell häufiger unter 30 Jährige ein, für Volksschulen und Gymnasien werden die Waren von den Eltern, also tendenziell über 30 Jährige, besorgt.

WienerInnen kaufen hauptsächlich Papier-, Büro und Schreibwaren
Der Großteil der EinkäuferInnen (38%) plant für Unis, FHs oder Kollegs Waren einzukaufen, gefolgt von Produkten für die Volksschule (25%), Oberstufe von Gymnasien (17%), berufsbildende höhere Schulen wie z.B. HTL und HAK (11%), Hauptschule (4%), Berufs- bzw. Fachschule (2%) und für polytechnische Lehrgänge (1%).

Schreibgeräte und Blöcke sind top gekaufte Produkte
Zu den gefragtesten Produkten zählen Schreibgeräte (68%), Blöcke (63%), Papier (55%), Schulhefte (54%) und Mappen (53%). Aber auch Lineale (33%), Malutensilien (28%), Scheren (25%) und Taschenrechner (13%) sind gefragt.

Rund 40% kaufen vor dem Schul- bzw. Unibeginn
Die Wienerinnen und Wiener sind gut auf den Schul- und Unibeginn vorbereitet. So haben rund 40% den Großteil schon vor dem Schul- bzw. Unibeginn eingekauft. 28% erwerben erst unmittelbar zum Schul- bzw. Unibeginn die benötigten Waren.

Qualität und der Preis im Vordergrund
Rund die Hälfte der WienerInnen nennt die Qualität der Produkte als entscheidendes Kriterium. Aber auch die Nähe des Geschäfts zum Wohnort ist für mehr als ein Drittel ein wesentlicher Aspekt beim Einkauf. Aktionen und die Sortimentsvielfalt sind für jeden Fünften von Bedeutung bei der Auswahl des Geschäfts.

Neue Wege in der Bildungspolitik

Bildung, Pressekommentar

Wie würde wohl hierzulande ein Bildungssystem aussehen, wenn wir das bestehende von heute auf morgen auflösen könnten und die einmalige Chance bekämen, ebenso schnell ein völlig neues an seine Stelle zu setzen? Es wäre wohl kein System, in dem das Absitzen von Pflichtschuljahren wichtiger ist als der Lernerfolg; kein System, in dem das Auswendiglernen und Reproduzieren besser bewertet wird als das Verstehen und eigenständige Begründen; kein System, in dem Schüler mit sprachlichen oder sozialen Problemen sich selbst überlassen werden; und kein System, das davon ausgeht, dass alle Schüler gleich sind und daher auch gleich unterrichtet werden müssen.

Haben Chance das alles zu ändern
All das ist heute Realität, in unterschiedlicher Ausprägung. Zum Nachteil vieler Kinder und Jugendlicher, denen damit ein schlechter Start ins Leben geboten wird, zum Nachteil der Eltern, die ihren Kindern lieber etwas Besseres ermöglichen würden, zum Nachteil der Lehrer, die diese Arbeitsbedingungen oft genug frustrieren, und nicht zuletzt auch zum Nachteil der gesamten heimischen Wirtschaft, deren Anforderungen an die Mitarbeiter sich immer seltener mit der Qualifikation der Schulabgänger decken. Wir haben die Chance, das alles zu ändern. Mit einer grundlegenden Reform, die unser Bildungssystem aus der Zeit Maria Theresias endlich ins 21. Jahrhundert führt. Dazu zählt eine Neuausrichtung der Lehrpläne mit Fokus auf Wirtschaft und Einblicken ins Unternehmertum.

Selbstständigkeit als Lebensmodell
Das Ziel muss sein, schon im Kindesalter Selbstständigkeit als Lebensmodell zu verankern und den Jugendlichen das dafür notwendige Rüstzeug in die Hand zu geben. Gleiches gilt für Naturwissenschaften und den Umgang mit neuen Medien. Denn es ist unvorstellbar, dass es in unserer Informations- und IT-Gesellschaft den Jugendlichen großteils selbst überlassen ist, Know-how im Bereich der neuen Medien aufzubauen. Dasselbe gilt für Umwelttechnologien, die von Experten regelmäßig zu den Wachstumsfeldern der kommenden Jahrzehnte gezählt werden. Selbstverständlich stellen diese neuen Schwerpunkte große Herausforderungen an die schulische Infrastruktur. Ohne ausreichende Labors und Computerräume mit leistungsfähiger Datenübertragung wird es nicht gehen.

Neues Gesamtkonzept
Schule ist aber nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung. Schule muss auch Kreativität und eigenständiges Arbeiten fördern und einen Ausgleich zu den Lerneinheiten bieten. Ein Unterricht, der sich zum Beispiel mit Projektarbeiten, Unternehmensbesuchen, Übungsfirmen, kreativen Einheiten und Sportangeboten abwechselt, lockert den Schulalltag auf, bringt den Burschen und Mädchen mehr Freude und letztlich einen besseren schulischen Erfolg. Wir brauchen endlich ein neues Gesamtkonzept, das auch rasch umgesetzt wird.

Sofortprogramm für Risikoschüler

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Seit vergangener Woche liegen die Ergebnisse des Wiener Lesetests 2013 vor. Ein Grund zur Freude sind sie nicht – vor allem nicht für die Wirtschaft. Denn mehr als jeder fünfte Wiener Schüler der achten Schulstufe kann nicht sinnerfassend lesen, weitere 40 Prozent schneiden nur mittelmäßig ab. Diese neueste Bestandsaufnahme unterstreicht einmal mehr, dass die Kritik der Wiener Lehrbetriebe am Bildungsniveau der Lehrstellenbewerber mehr als berechtigt ist. Auch beim Rechnen und Schreiben fehlen den Pflichtschulabsolventen oft grundlegende Fertigkeiten. Änderungen im Schulsystem sind daher unumgänglich. Schule muss sicherstellen, dass alle Schüler in die Lage sind, den Anforderungen eines Berufslebens zu entsprechen – nicht nur einige.

Kostenlose Förderung in Sommerferien
Nur so haben sie eine Chance, im Leben bestehen zu können und einen erfolgreichen Berufsweg zu beschreiten. Damit es für die als Risikoschüler identifizierten Mädchen und Burschen nicht zu spät ist, habe ich ein Sofortprogramm durch kostenlose Förderung in den Sommerferien vorgeschlagen. Damit kann sichergestellt werden, dass jene Jugendliche, die mit einer Lehrausbildung beginnen oder sich im kommenden Frühjahr um eine Lehrstelle bewerben, einen guten Start haben. Es ist erfreulich, dass ein solcher Vorschlag auch seitens der Präsidentin des Stadtschulrates kommt, laut dem in den Wiener Schulen ein kostenloser Förderunterricht stattfinden soll. Das seitens der Wirtschaftskammer Wien entwickelte Förderprogramm basiert auf einer Kooperation mit Studenten der Pädagogischen Hochschule, die wir in den Ferien für ein Sozialprojekt gewinnen möchten.

Mindestbildungsstandards ausschlaggebend
Dass eine spezielle Förderung von leistungsschwachen Schülern unglaublich viel bewirken kann, beweist der Lesetest selbst. 2800 Risikoschüler des vergangenen Jahres haben eine Zusatzförderung erhalten und sich entscheidend verbessern können. Auf dieser positiven Erfahrung aufbauend, müssen vergleichbare Aktivitäten auch in den anderen Fächern umgesetzt werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass Schülern nach Absolvierung der Pflichtschuljahre grundlegende Fertigkeiten fehlen. Es muss das Erreichen von Mindestbildungsstandards ausschlaggebend dafür sein, ob ein Schüler seine Schulpflicht erfüllt hat, und nicht der Zeitablauf.

Bildungsreform: Jetzt handeln!

Bildung, Pressekommentar

In sechs Monaten wählt Österreich einen neuen Nationalrat. Dass das heimische Bildungswesen bis dahin grundlegend reformiert wird, ist unwahrscheinlich. Doch für die Zeit danach hat die Phase des Nachdenkens bereits begonnen. Dabei ist es besonders erfreulich, dass einmal mehr die österreichischen Sozialpartner – Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Landwirtschaftskammer und Gewerkschaft – initiativ wurden und sich in konstruktiver Zusammenarbeit auf eine gemeinsame Linie in Sachen Bildungsreform geeinigt haben. Diese Sozialpartner-Einigung ist ein echter Meilenstein und Vorgabe aller führenden Interessenvertretungen des Landes an die nächste Bundesregierung – wie auch immer sie zusammengesetzt sein wird.

Reformstau endlich aufbrechen
Es ist jedenfalls unabdingbar, in dieser für die Zukunft unseres gesamten Gesellschafts- und Wirtschaftssystems entscheidenden Frage an einem Strang zu ziehen, Vordenker der künftigen politischen Willensbildung zu sein und einen Beitrag dazu zu leisten, dass der jahrzehntelange Reformstau im österreichischen Bildungswesen endlich aufgebrochen wird. Konkret fordern wir unter anderem, dass die Bildungspotenziale jedes einzelnen viel stärker in den Mittelpunkt gerückt werden – im Unterricht ebenso wie in der Berufs- und Bildungsberatung. Die duale Ausbildung, um die uns ganz Europa beneidet und die die wichtigste Stütze unseres Fachkräfteangebots ist, muss weiter attraktiviert werden, um mehr Jugendliche als bisher dafür zu begeistern. Beispielsweise durch Teilqualifizierungen, einen Ausbau der Lehre mit Matura und mehr Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bildungswegen.

Geist der Veränderung
In den Pflichtschulen müssen verpflichtende Mindeststandards erreicht werden, um sicherzustellen, dass die Grundlagen für eine hochqualifizierte Ausbildung, wie es die duale Berufsausbildung nun einmal ist, gegeben sind. Und nicht zuletzt muss auch in die Frühförderung mehr investiert werden. Daher halten wir ein zweites, verpflichtendes Kindergartenjahr für notwendig, um Defizite etwa in der Sprachentwicklung oder bei Sozialkompetenzen gar nicht erst entstehen zu lassen. Das sozialpartnerschaftliche Bildungspapier umfasst noch viele weitere wichtige Punkte, ist gut durchdacht und mit viel Sachverstand ausgearbeitet. Es trägt den Geist der Veränderung in sich und verfolgt klare Ziele. Diese gilt es jetzt umzusetzen, je eher, umso besser.

Der Jugend echte Chancen geben

Bildung, Lehrlinge, Pressekommentar

Zurzeit werden in rund 4000 Wiener Lehrbetrieben 19.000 Lehrlinge ausgebildet, eine Zahl, die dank des Einsatzes der Betriebe trotz schwierig werdender Rahmenbedingungen auf hohem Niveau stabil ist. Denn der Fachkräftebedarf der Unternehmen ist groß und jeder einzelne der 19.000 Lehrlinge wird dringend gebraucht. Die Rahmenbedingungen, denen sich Lehrbetriebe bei der Ausbildung der Jugendlichen ausgesetzt sehen, sind vor allem für die Mittelstandsbetriebe zunehmend herausfordernd. Nicht einmal mehr jeder dritte Wiener Jugendliche entscheidet sich heute für diesen Ausbildungsweg – zu wenige, um alle offenen Lehrstellen mit ausreichend qualifizierten Jugendlichen besetzen zu können. Die Mehrzahl verbleibt im Schulsystem – in der Hoffnung, dort richtig aufgehoben zu sein. Eine Hoffnung, die sich nicht immer erfüllt. Vergleicht man die Chancen am Arbeitsmarkt, ergibt sich ganz eindeutig ein Vorteil zugunsten der dualen Ausbildung. Tatsächlich finden mehr als 90 Prozent aller Lehrabsolventen binnen Jahresfrist einen Arbeitsplatz, während es nur 60 Prozent der AHS-Absolventen im selben Zeitraum schaffen. Die Lehre bietet also beste Berufsaussichten und leidet dennoch unter dem Stigma, eine „Restausbildung” für jene zu sein, die für die Schule ungeeignet wären.

Änderungen sind möglich

An dieser für die langfristige Absicherung des Fachkräfteangebots in Wien schwierigen Problematik wird von vielen Unternehmen und der Wirtschaftskammer daher seit vielen Jahren zu Recht Kritik geübt. Auch daran, dass Pflichtschulabsolventen vielfach gravierende Defizite aufweisen und deshalb für die Anforderungen der Betriebe nicht ausreichend geeignet sind. Doch Änderungen sind möglich, um diese Situation binnen weniger Jahre entscheidend zu verbessern. Beispielsweise bei der Gleichstellung der Ausbildungskosten, weil für eine Baumeisterprüfung rund 12.000 Euro aufzuwenden sind, während ein langjähriges Studium von der Allgemeinheit finanziert wird. Änderungen sind auch bei der Berufsinformation in den Pflichtschulen notwendig, die wesentlich umfassender und unter Einbeziehung der Eltern passieren muss. Zu verbessern sind natürlich auch die Frühwarnsysteme der Schulen, um Sprach- oder Leistungsdefizite und auch soziale Kompetenzmängel frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. All das würde dazu führen, dass der Jugend echte Chancen gegeben werden. Bleibt zu hoffen, dass ein von den Sozialpartnern entwickeltes Programm bei der Regierung auf offene Bereitschaft zur raschen Umsetzung stößt.