Änderungen beim Abgabenpaket notwendig

Kleinunternehmer, Pressekommentar

Die Bundesregierung plant, mit 1. März eine ganze Reihe an Steuererhöhungen und –verschärfungen umzusetzen. Darunter auch Maßnahmen, die Unternehmerinnen und Unternehmer unmittelbar betreffen und in dieser Härte weder akzeptabel noch zielführend sind. Dies gilt insbesondere für die im Gesetzesentwurf beabsichtigte, weitgehende Rücknahme der jüngsten GmbH-Reform. Demnach sollen für eine GmbH-Gründung wieder wie früher 35.000 Euro notwendig sein – obwohl die Absenkung des Mindeststammkapitals auf 10.000 Euro erst vor einem halben Jahr eingeführt worden ist und Jungunternehmer bei einer GmbH-Gründung essenziell unterstützt. Ebenso unverständlich und nicht hinnehmbar ist die diskutierte Einschränkung beim Gewinnfreibetrag für Unternehmer, der als Ausgleich zum steuerbegünstigten 13. und 14. Gehalt der Arbeitnehmer als Teil des Steuerentlastungspakets 2009 eingeführt wurde. Für diesen richtungsweisenden Fortschritt in der fairen Behandlung von Selbstständigen gegenüber Unselbstständigen hat die Wirtschaftskammer viele Jahre lang gekämpft.

Echten Konjunkturbelebungsmaßnahmen Vorrang geben

Eine Beschränkung der Regelung wäre ein verheerendes Signal an die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Sie würde die Wirtschaftskraft der Unternehmer schwächen und noch weniger Spielraum für Entfaltungen lassen. Wir werden gegen diesen Plan daher mit aller Vehemenz ankämpfen. Denn anstatt die Unternehmer mit immer neuen finanziellen Hürden zu belasten, sollte echten Konjunkturbelebungsmaßnahmen der Vorrang gegeben werden. Etwa dem Handwerkerbonus, der zwar im aktuellen Regierungsprogramm steht, bisher aber noch seiner Einführung harrt, obwohl damit Schwarzarbeit reduziert, Steuereinnahmen erhöht und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen würden – eine win-win-Situation sowohl für Betriebe als auch für die öffentliche Hand. Schließlich muss bei allem Verständnis für die Notwendigkeit einer Budgetkonsolidierung festgehalten werden, dass verabsäumte Reformen im Bereich der Verwaltung, der Pensionen und des Gesundheitswesens für die Fehlbeträge im Staatshaushalt verantwortlich sind – und nicht ein zu niedriges Abgabenniveau oder zu viele Steuerzuckerl für Unternehmer. Mit demselben Tempo, mit dem Steuerbelastungen vorgelegt wurden, müssen daher jetzt auch Reformvorhaben umgesetzt werden.

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 04, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/

Exporte sichern unseren Wohlstand

News, Pressekommentar

Wiens Unternehmen gelingt es immer besser, die Vorteile der globalisierten Weltwirtschaft zu nutzen. Das zeigt eine aktuelle Analyse über die Entwicklung der Wiener Exportwirtschaft in den vergangenen 15 Jahren. Demnach ist allein der Umsatz durch Warenexporte in dieser Zeit von nicht ganz zehn Milliarden Euro auf mehr als 18 Milliarden Euro angewachsen. Noch deutlicher gestiegen ist der Export von Dienstleistungen, der mittlerweile mehr als 13 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr in die Kassen der Wiener Unternehmen spült. Wiener Betriebe zeichnen damit für mehr als die Hälfte aller Dienstleistungsexporte Österreichs verantwortlich. Diese höchst erfreulichen Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig es ist, die Unternehmen in ihren Exportbemühungen mit voller Kraft zu unterstützen, Eintrittshürden in neue Märkte abzubauen und ungenützte Exportpotenziale aufzuzeigen.

Kluge politische Gesamtstrategie unabdingbar

Denn der Export ist heute für die Hälfte unseres Wohlstandes verantwortlich und damit als Wohlstandsfaktor  unverzichtbar. In Zeiten schwächerer Inlandsnachfrage müssen Marktchancen  in anderen Ländern umso mehr aufgegriffen werden. Dazu ist eine kluge politische Gesamtstrategie unabdingbar. Zu ihr gehören unter anderem eine finanziell ausreichend dotierte Internationalisierungsförderung und steuerliche Anreize, um die zum Teil hohen Kosten für den Aufbau von Strukturen in fernen Ländern finanzierbar zu machen – Stichwort Gruppenbesteuerung. Mehr als 80 Prozent aller Wiener Exporte gehen derzeit in europäische Länder. Wirtschaftliche Schwierigkeiten auf unserem Kontinent schlagen damit unmittelbar auf uns durch. Essenziell ist daher auch eine weitere Diversifizierung der Zielmärkte,  die diesen Effekt dämpften kann. Dazu sind  weitere Freihandels abkommen, wie etwa mit den USA, hilfreich.

Optimierungen umsetzen

Letztendlich muss es gelingen, die derzeitige Zahl von rund 10.000 exportierenden Wiener Betrieben weiter zu steigern. Politische Weitsicht ist auch bei der Ansiedlung internationaler Unternehmen in Wien gefragt. Zurzeit sind ausländische Unternehmen in Österreich  mit etwa 118 Milliarden Euro investiert –  ein Wert, der zuletzt nicht mehr gestiegen  ist. Gerade Wien kann hier nach wie vor mit  vielen Vorzügen werben. Aber es gibt auch  Verbesserungsbedarf wie bei der Bürokratie  oder kurzfristigen Arbeitsgenehmigungen für ausländische Fachkräfte. Diese Optimierungen gilt es umzusetzen.

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 03, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/

 

Durch Veränderung das Erreichte erhalten

News, Pressekommentar

Future Past & Present signpost in the sky

Wiens Betriebe können sich als Teil eines weltweit vernetzten Wirtschaftssystems globalen Trends nicht entziehen. Die Umwelt ändert sich und hergebrachte Modelle sind einer immer rascher werdenden Neubewertung und Neuausrichtung zu unterziehen. Einer dieser Trends ist die zunehmende Dominanz des Dienstleistungssektors gegenüber dem produzierenden Bereich, wie sie in ganz Westeuropa zunehmend zur Herausforderung wird. Nur noch rund 16 Prozent der Wiener Bruttowertschöpfung werden vom Produktionssektor erwirtschaftet. Dabei sind Produktionsbetriebe auch unverzichtbare Auftraggeber für viele andere Branchen wie unternehmensnahe Dienstleister, Transporteure oder Zulieferer. Es braucht also neue Antworten. Re-Industrialisierung zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, für mehr Innovationen und Wirtschaftswachstum ist eine davon. Um den Anteil der Industrieproduktion in Europa bis 2020 auf 20 Prozent anzuheben, wurde seitens der Europäischen Union ein Maßnahmenpaket entwickelt. Für Österreich heißt das, den Fachkräftemangel zu bekämpfen, die Potenziale von Frauen und Migranten besser zu nutzen, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen und neue Finanzierungsformen anzubieten, wie dies der jüngste Wettbewerbsbericht der EU auflistet.

Abgaben und Steuern hemmen Wiener Unternehmergeist

Ob das vorgegebene Ziel bis 2020 erreicht werden kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt mehr als fraglich. Denn die Belastung der heimischen Betriebe – insbesondere der klein- und mittelständischen Wirtschaft – bleibt ungebrochen hoch. So verstehen sich Behörden vorrangig als Kontroll- und Bestrafungsorgane und nur selten als Partner der Betriebe, die bei der immer unübersichtlicher werdenden Rechtslage den Unternehmern beratend zur Seite stehen. Und auch die zunehmende Belastung durch Abgaben und Steuern hemmt den Wiener Unternehmergeist in seiner Bewegungs- und Entfaltungsmöglichkeit entscheidend. Hier sind gravierende Änderungen notwendig, denn es ist die falsche Grundeinstellung, dass es an neuen Steuerideen niemals mangelt, während positive Katalysatoren für die heimische Wirtschaft regelmäßig aufgeschoben werden.

Mut zur Selbstständigkeit

Mit einer Offensive für mehr Unternehmertum könnten die Beschäftigung in Wien weiter ausgebaut, die hohe Arbeitslosigkeit abgebaut und neue Wachstumsimpulse gesetzt werden. Es muss das gemeinsame Ziel sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu stärken, Mut zur Selbstständigkeit zu machen und zur Ansiedlung und zum Verbleib in Wien einzuladen, um den Erhalt des Erreichten zu sichern.

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 01/02, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/