Pisa-Test

Beim jüngsten PISA-Bildungstest haben Österreichs 15-Jährige besser abgeschnitten als beim letzten Test im Jahr 2009. Eine Bestätigung dafür, dass sich auch unser Schulsystem in den vergangenen Jahren verbessert hat, ist dies allerdings nicht. Denn die Studienautoren wollen sich im Fall von Österreich ungern auf einen Vergleich mit 2009 einlassen, weil es damals in Österreich wegen des Boykott-Aufrufs einiger Schülervertreter eine negative Stimmung gegenüber Bildungserhebungen gegeben habe – und dadurch könne die Vergleichbarkeit nicht gewährleistet werden. Die OECD führt in ihrer interaktiven Statistik im Internet daher für Österreich für das Jahr 2009 lieber erst gar keine Daten an. Bleibt daher nur der Vergleich zu den beiden Testdurchgängen davor, die in den Jahren 2003 und 2006 stattgefunden haben. Und dieser Vergleich zeigt, dass Österreich in den untersuchten Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen alles andere als dazugewonnen hat. Ganz im Gegenteil – beim Lesen und in den Naturwissenschaften sind unsere Schüler punktemäßig weiter abgerutscht. In Summe erreicht jeder vierte Jugendliche in einem der drei Bereiche nicht einmal die Mindeststandards. Außerdem ist der Leistungsunterschied zwischen Mädchen und Burschen in Mathematik stark angewachsen und heute doppelt so groß wie im OECD-Schnitt. In wesentlichen Fragen der schulischen Qualifizierung unserer Jugendlichen sind wir also in Österreich auch in den letzten Jahren nicht weiter gekommen.

In den laufenden Regierungsverhandlungen muss der aktuelle PISA-Test daher als Weckruf für die Umsetzung einer Bildungsreform verstanden werden, die über das Umbenennen von Schultypen hinausgeht und beginnt, die Probleme an der Wurzel zu lösen. Die Expertise dazu ist im In- und Ausland mehr aus ausreichend vorhanden und wurde von der Wirtschaftskammer auch immer wieder in die politische Diskussion eingebracht. In unserer Jugend steckt genügend Potenzial, das es abzuholen gilt – viele Begabungen und Talente, die mit einem modernen Bildungssystem entdeckt und gefördert werden können. Nicht wegen des kommenden PISA-Tests, sondern weil sich unsere Jugend bestmögliche Chancen im Leben verdient hat, weil unsere Lehrbetriebe Stellenbewerber brauchen, die lesen, schreiben und rechnen können, und weil wir alle als Steuerzahler nur bereit sind, uns ein teures Bildungssystem zu leisten, wenn die Ernte ertragreich ist. Der große Wurf muss jetzt gelingen.

 

WIENER WIRTSCHAFT, Ausgabe 50, online http://wkw.ereader.tailored-apps.com/

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