Ein Probelauf der vertanen Chancen

Pressekommentar

Zwei Monate sind seit der abschließenden Verkehrsverhandlung vergangen. Erst jetzt wurde die Entscheidung über die Probephase auf der Mariahilfer Straße vorgelegt. Zwei Monate, in denen die Unternehmer in den Bezirken Neubau und Mariahilf im Unklaren gelassen wurden, wie der ab Mitte August startende Probebetrieb ablaufen soll und auf welche Auswirkungen auf den eigenen Betrieb man sich einstellen muss. Immerhin sind mehrere hundert Zustellfahrten pro Tag neu zu organisieren. Es ist daher völlig unverständlich, dass man den Betrieben nicht mehr Zeit gegeben hat, sich ausreichend vorzubereiten. Knapp 9000 Wirtschaftstreibende im 6. und 7. Bezirk haben nur mehr vier Wochen Zeit, um neue Lieferkonzepte zu erarbeiten und Kunden und Geschäftspartner über die neuen Zufahrtmöglichkeiten und die künftige Erreichbarkeit zu informieren.

Umliegende Bereiche werden unter zusätzlichem Verkehr leiden
Die Auswirkungen des nun vorliegenden Verkehrskonzepts sind erheblich. Geänderte Ladezonen und verkürzte Ladezeiten, mehrfach gedrehte Einbahnen, engere und damit für größere Kfz ungeeignete Kreuzungsradien und der komplette Wegfall der Querungsmöglichkeiten sind die größten Eingriffe in das Gesamtverkehrskonzept, die es in Wien je gegeben hat. Verkehrsexperten haben erhoben, dass sich Fahrzeiten und Wege in Mariahilf und Neubau um durchschnittlich 60 Prozent verlängern werden. Gleichzeitig verlagert sich ein Großteil des Verkehrs auf Gürtel und Zweierlinie – beides Strecken, die bereits heute ausgelastet sind. Während künftig also Radfahrer und Fußgänger über die Mariahilfer Straße flanieren, werden die umliegenden Bereiche unter dem zusätzlichen Verkehr leiden.

Berechtigte Anliegen werden ignoriert
Dass diese Befürchtungen nicht nur von der Wirtschaft geteilt werden, zeigt die große Zahl an Institutionen, Organisationen und angrenzenden Bezirken, die gegen die Neugestaltung Einsprüche erhoben haben. Kaum einer dieser Einsprüche fand im Probekonzept Berücksichtigung. Den berechtigten Anliegen nicht Rechnung zu tragen, ist eine vertane Chance. Erschwerend kommt hinzu, dass unklar ist, wie lange die Probephase überhaupt dauert, dass keine Kriterien für deren Evaluierung aufgestellt wurden und dass offen ist, welcher Personenkreis in die Evaluierung einbezogen werden soll.

Willkommen, Kroatien! Dobrodošli, Hrvatska!

Pressekommentar

Die Europäische Union begrüßt ein neues Mitglied.
Sechs Jahre ist es her, dass Rumänien und Bulgarien beigetreten sind. Mit dem Beitritt Kroatiens wird die EU-Erweiterung am Balkan fortgesetzt. Ein wichtiger Schritt aus österreichischer Sicht, nicht zuletzt, weil Kroatien für österreichische Unternehmen von wirtschaftlicher Relevanz ist. In den vergangenen 20 Jahren wurden mehr als 6,5 Milliarden Euro investiert, womit Österreich zum mit Abstand größten Auslandsinvestor in Kroatien wurde. Zum Vergleich – die Investitionen deutscher Betriebe belaufen sich auf weniger als die Hälfte des österreichischen Engagements. Heute unterhalten unsere Unternehmen mehr als 700 Niederlassungen im jüngsten EU-Mitgliedsland, das gemeinsame Handelsvolumen liegt bei beachtlichen 1,8 Milliarden Euro.   Vorteile für heimische Betriebe  Die Ausdehnung des EU-Binnenmarkts und der damit verbundene Entfall noch verbliebener Zoll- und Zugangsbeschränkungen für Exporteure bringen für heimische Betriebe zusätzliche Vorteile, die Belieferung des kroatischen Marktes wird damit einfacher und günstiger. Zudem wird der Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen und Kooperationen mit kroatischen Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern durch die gemeinsame Rechtsbasis wesentlich erleichtert und rechtlich besser abgesichert. Nicht zuletzt ist mit dem Beitritt auch der Zugang zu EU-Fördermittel offen, die so manche Projektumsetzung wesentlich unterstützen werden – etwa bei der regionalen Entwicklung und Strukturverbesserung.

Es braucht neue Perspektiven
Für Kroatien werden allerdings die ersten Monate der Mitgliedschaft durchaus herausfordernd. Experten konstatieren der kroatischen Wirtschaft in Teilbereichen mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, um gegen die härtere Konkurrenzsituation innerhalb der EU bestehen zu können. Zudem sind durch den Beitritt zur EU-Zollunion die Handelsbeziehungen Kroatiens zu den Nicht-EU Nachbarstaaten Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro schwieriger geworden. Kroatien, das bereits mehrere Rezessionsjahre in Folge durchlebt und unter einer hohen Arbeitslosigkeit und einer schwachen Kaufkraft leidet, steht daher durchaus vor neuen Herausforderungen. Es braucht deshalb die Perspektive einer Fortsetzung der EU Erweiterung am Balkan. Mit Montenegro wird bereits verhandelt, mit Serbien werden die Beitrittsverhandlungen Anfang 2014 aufgenommen. In beiden Fällen wird es wie bei Kroatien aber viele Jahre dauern, bis ein Beitritt tatsächlich Realität wird.