Mariahilfer Straße neu – nicht ohne Wirtschaft!

Pressekommentar

Die Ergebnisse der von der Wirtschaftskammer Wien durchgeführten Befragung aller Unternehmer des sechsten und siebenten Bezirks zur geplanten Neugestaltung der Mariahilfer Straße könnten klarer nicht sein. Mehr als zwei Drittel der Betriebe lehnen die von der Stadt Wien und den beiden Bezirken vorgelegten Pläne klar ab und sprechen sich insbesondere auch gegen den Entfall der Querungen aus. Daraus ergibt sich ein eindeutiger Auftrag an die Politik: Die Wiener Unternehmer haben Anspruch darauf, in ihrer Geschäftsentwicklung, die ihrer Mitarbeiter Existenzgrundlage ist, unterstützt zu werden!

Unternehmen bangen um ihre Existenz
Mittlerweile liegt auch das Ergebnis der Anrainerbefragung der Bezirke 6 und 7 vor, wo lediglich Bewohner der Straßenzüge Schottenfeldgasse-Webgasse und Otto-Bauer- Gasse-Zieglergasse zur Stellungnahme eingeladen waren. 55 bzw. 66 Prozent stufen die Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen den Bezirken als nicht erforderlich ein. Vermutlich wird damit die Hoffnung auf weniger Verkehr vor der eigenen Haustür verbunden. Des Einen Freud darf aber nicht des Anderen Leid werden. Und es darf schon gar nicht zum Schließen oder Abwandern von Betrieben führen. Besonders die Unternehmen in den Seitenlagen der Mariahilfer Straße bangen um ihre Existenz, denn die Erreichbarkeit ihrer Betriebe für Lieferanten und Kunden ist Grundvoraussetzung einer positiven Geschäftsentwicklung. Wer heute nicht gut erreichbar ist, wer keine Halte- und Parkmöglichkeiten im Nahbereich hat, der wird vom Konsumenten nicht mehr wahrgenommen.

Existenzielle Themen
Aber auch für die Betriebe auf der Mariahilfer Straße selbst bleiben bis jetzt viele Bedürfnisse unberücksichtigt. So erfolgen etwa 55 Prozent des Lieferverkehrs von und zur Mariahilfer Straße nach 10.30 Uhr und damit außerhalb des Zeitraums, der für Liefertätigkeiten und Zufahrtsmöglichkeiten künftig zugestanden werden soll. Betroffen wären zudem auch die Betreiber der 3000 öffentlichen Garagenplätze, deren Geschäftsgrundlage auf einem Schlag entfiele. Und nicht zuletzt auch die Hotelbetriebe, die mit jährlich rund 270.000 Nächtigungen wesentlich zum Erfolg der Tourismusstadt Wien beitragen. Für die Unternehmen sind das essenzielle, zum Teil existenzielle Themen, bei denen wir uns mit keiner anderen Lösung zufrieden geben können als mit einer ganztägigen Erreichbarkeit aller Betriebe für Kunden und Lieferanten, für Taxis, Reisebusse und Garagenkunden.

Lösung ohne politische Scheuklappen
Das Festhalten am derzeitigen Modell entspricht noch keiner modernen, urbanen Stadtplanung, wo das Miteinander von Bewohnern, Betrieben, Bildungseinrichtungen, Forschung und Freizeitgestaltung in einer lebendigen, gleichwertigen Struktur Voraussetzung für den Erfolg einer lebenswerten Stadt ist. Ich gehe davon aus, dass noch eine vernünftige Lösung ohne politische Scheuklappen gefunden wird – zum Wohle der Unternehmer, ihrer Mitarbeiter und der Anrainer.

Der Jugend echte Chancen geben

Bildung, Lehrlinge, Pressekommentar

Zurzeit werden in rund 4000 Wiener Lehrbetrieben 19.000 Lehrlinge ausgebildet, eine Zahl, die dank des Einsatzes der Betriebe trotz schwierig werdender Rahmenbedingungen auf hohem Niveau stabil ist. Denn der Fachkräftebedarf der Unternehmen ist groß und jeder einzelne der 19.000 Lehrlinge wird dringend gebraucht. Die Rahmenbedingungen, denen sich Lehrbetriebe bei der Ausbildung der Jugendlichen ausgesetzt sehen, sind vor allem für die Mittelstandsbetriebe zunehmend herausfordernd. Nicht einmal mehr jeder dritte Wiener Jugendliche entscheidet sich heute für diesen Ausbildungsweg – zu wenige, um alle offenen Lehrstellen mit ausreichend qualifizierten Jugendlichen besetzen zu können. Die Mehrzahl verbleibt im Schulsystem – in der Hoffnung, dort richtig aufgehoben zu sein. Eine Hoffnung, die sich nicht immer erfüllt. Vergleicht man die Chancen am Arbeitsmarkt, ergibt sich ganz eindeutig ein Vorteil zugunsten der dualen Ausbildung. Tatsächlich finden mehr als 90 Prozent aller Lehrabsolventen binnen Jahresfrist einen Arbeitsplatz, während es nur 60 Prozent der AHS-Absolventen im selben Zeitraum schaffen. Die Lehre bietet also beste Berufsaussichten und leidet dennoch unter dem Stigma, eine „Restausbildung” für jene zu sein, die für die Schule ungeeignet wären.

Änderungen sind möglich

An dieser für die langfristige Absicherung des Fachkräfteangebots in Wien schwierigen Problematik wird von vielen Unternehmen und der Wirtschaftskammer daher seit vielen Jahren zu Recht Kritik geübt. Auch daran, dass Pflichtschulabsolventen vielfach gravierende Defizite aufweisen und deshalb für die Anforderungen der Betriebe nicht ausreichend geeignet sind. Doch Änderungen sind möglich, um diese Situation binnen weniger Jahre entscheidend zu verbessern. Beispielsweise bei der Gleichstellung der Ausbildungskosten, weil für eine Baumeisterprüfung rund 12.000 Euro aufzuwenden sind, während ein langjähriges Studium von der Allgemeinheit finanziert wird. Änderungen sind auch bei der Berufsinformation in den Pflichtschulen notwendig, die wesentlich umfassender und unter Einbeziehung der Eltern passieren muss. Zu verbessern sind natürlich auch die Frühwarnsysteme der Schulen, um Sprach- oder Leistungsdefizite und auch soziale Kompetenzmängel frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. All das würde dazu führen, dass der Jugend echte Chancen gegeben werden. Bleibt zu hoffen, dass ein von den Sozialpartnern entwickeltes Programm bei der Regierung auf offene Bereitschaft zur raschen Umsetzung stößt.

Energieeffizienz ja, aber Schwachstellen beseitigen

Pressekommentar

Die beste Energie ist die, die erst gar nicht verbraucht wird. In den Wiener Betrieben ist dieser unternehmerische Ansatz fest verankert. Das belegen die unzähligen Energieeffizienzprojekte, die in den letzten Jahren in Wiener Unternehmen sehr erfolgreich umgesetzt wurden. Die Beratungsförderung der Wirtschaftskammer Wien und der von uns unterstützte ÖkoBusinessPlan haben maßgeblich dazu beigetragen, dass in den Betrieben Energiemengen im Ausmaß von 745 Millionen Kilowattstunden eingespart wurden – das entspricht dem Jahresverbrauch aller Haushalte im Bundesland Salzburg.

Einsparungsmaßnahmen unberücksichtigt
All das soll allerdings bald nichts mehr wert sein. Denn der Regierungsentwurf des neuen Energieeffizienzgesetzes sieht vor, dass Energieverbraucher bis 2020 noch einmal kräftig einsparen müssen. Das bedeutet, dass Einsparungsmaßnahmen großteils unberücksichtigt bleiben. Unternehmen, die ihre Einsparungspotenziale bereits vollständig ausgenutzt haben, werden daher unter großen Druck geraten. Und nicht nur sie. Denn der Gesetzesvorschlag will die Wirtschaft zu kollektiven Zielen verpflichten. Bleiben die Ziele unerreicht, werden Ausgleichszahlungen fällig und zwar für alle Unternehmen, auch für Energiespar-Vorzeigebetriebe. Der Einzelne hat keine Möglichkeit mehr, über individuelle Investitionen eine Strafzahlung zu vermeiden, wenn das kollektive Ziel nicht erreicht wird.

Zweckwidmung für Umsetzung von Energieeffizienzprojekten

Finanzielle Belastungen kommen auf die Betriebe aber auch dann zu, wenn die kollektiven Ziele erreicht werden, da jedes Unternehmen ab fünf Mitarbeitern zu Energieeffizienz-Audits und Beratungen verpflichtet wird. Allein die Wiener Betriebe müssen deshalb pro Jahr mit zusätzlichen Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro rechnen. Weiters ist völlig unklar, wie die vielen zusätzlichen Überprüfungen mangels einer ausreichenden Zahl an qualifizierten Energieberatern überhaupt durchgeführt werden können. Bislang erfolgten 1000 Audits im Jahr, bis 2020 sollen es 90.000 sein. Offen ist auch, was mit den Strafzahlungen der Betriebe passiert. Hier muss es jedenfalls eine Zweckwidmung für die Umsetzung von Energieeffizienzprojekten in Unternehmen geben.

Gesetzesentwurf ist abzulehnen  Der vorliegende Gesetzesentwurf ist daher aus einer ganzen Reihe an Gründen in dieser Form abzulehnen. Energieeffizienz ist wichtig, aber nur im Einklang mit unternehmerischer Selbstbestimmung, staatlichen Anreizen für private Investitionen und der vollen Anrechnung der bisherigen Leistungen.